Nach Heiligendamm gehts weiter!

Der G8-Gipfel wird ein Festival des Widerstands. Studierende des sich gründenden Hochschulverbands der Linken versuchen zusammen mit vielen anderen, die Proteste so stark, vielfältig und bunt wie möglich zu machen. Wir werden gemeinsam morgens aufbrechen, um im Rahmen der Block G8-Kampagne an den Tagen des Gipfels entschlossen, aber zugleich auch bunt und vielfältig die Straßen zu blockieren.

Die G8, der inoffizielle Club der mächtigsten Staatschefs der Welt, repräsentiert ein Wirtschaftssystem, das systematisch Ausbeutung und Ungleichheit, Unterdrückung und Krieg produziert. Die Dominanz der Profitlogik über alle Lebensbereiche hat nicht nur eine ungeheuere Armut, im Norden wie im »globalen Süden«, hervorgebracht, sondern auch Kriege um Rohstoffe und eine Klimakatastrophe, die zunehmend alles Leben auf dem Planeten bedroht. Die Proteste gegen die G8 im Juni 2006 sind ein Symbol dafür, dass Millionen Menschen der G8 und der Weltordnung, für die sie stehen, ihre Zustimmung entsagen. Dem: »there is no alternative« stellen sie entgegen, dass eine andere Welt möglich ist. Der Protest gegen die G8 ist notwendig; er dient der Delegitimation neoliberaler Argumentationsmuster und Institutionen. (...)

Die Anti-G8-Proteste haben somit einen Zweck für sich. Aber: Es stellt sich auch die Frage, was an dem Tag nach dem Gipfel sein wird. In Heiligendamm werden leider vor allem junge Leute protestieren, wenngleich engagierte Gewerkschafter sich bemühen, ihre Kolleginnen und Kollegen für diesen politischen Protest zu gewinnen (vgl. www.g8-gewerkschafteraufruf.de). Um so mehr Studierende werden sich an den Blockaden beteiligen, im G8-Widerstands-Camp gemeinsam Protest artikulieren, Visionen einer besseren Welt diskutieren, feiern und den Widerstand gegen den Gipfel unter der Woche organisieren. Für die Linke an den Hochschulen kann dieser politische Protest eine Stärkung bedeuten, die möglicherweise auch zu einer Stärkung der Gegenwehr gegen Studiengebühren und Prekarisierung führen kann.

Hier liegt jedoch gleichzeitig eine Begrenzung: Studierende haben nicht die ökonomische Macht, die Beschäftigte haben, um Angriffe abzuwehren und für eine andere Welt zu streiten. Deshalb gründet sich der Hochschulverband in der Überzeugung, dass, wie es der ehemalige ['solid]-Bundessprecher Jan Schalauske formuliert, »hochschulpolitische Auseinandersetzungen als Teil von gesamtgesellschaftlichen Kämpfen zu führen« sind. Daher die Anbindung an die Partei DIE LINKE, die sich zwei Wochen nach dem G8-Gipfel gründen wird. Diese Anbindung bietet uns die Möglichkeit, eine Herausforderung zu bestehen, an der frühere Studierendenverbände letztlich scheiterten: Die Ausdehnung des Protests an der Hochschule auf die gesamte Gesellschaft. In diesem Sinne bietet sich heute eine Chance für Linke an den Hochschulen. Die Anbindung an eine Partei ist zweifellos nicht widerspruchsfrei erst recht nicht bei einer Partei, die ein solch breites Spektrum umfasst wie die entstehende Partei DIE LINKE. Obwohl es beträchtliche, zu analysierende Unterschiede zwischen der Gründung der Grünen und der neuen Linkspartei gibt, gibt es keine Garantie dafür, dass DIE LINKE im Gegensatz zu den Grünen ihren emanzipatorischen und progressiven Charakter beibehalten wird. Doch: Die zukünftige Entwicklung der neuen Linken wird letztlich von den Kräften abhängen, die sich in ihr einbringen. Der neue Hochschulverband gründet sich in der Überzeugung, dass wir in der Verantwortung stehen, für eine emanzipatorische DIE LINKE zu kämpfen, wenn wir es ernst meinen damit, dass wir die gesellschaftlichen Verhältnisse zum Tanzen bringen wollen. Nutzen wir diese historische Chance.

Jonas Rest

Der Autor ist aktiv in der G8-Kampagne des LINKE.Hochschulgruppennetzwerks.

Der ungekürzte Text auf: www.linke-hsg.de

 

Die Radiosendung zum Thema:

Rotdorn-Radio vom 7. Mai 2007 >> "Die Gründung des bundesweiten Hochschulverbandes Die Linke.SDS"

Am 4. bis 6. Mai 2007 wurde in Frankfurt am Main der neue Hochschulverband "Die Linke.SDS" gegründet. Rotdorn-Radio interviewte das Bundesvorstandsmitglied des neuen Verbandes Jan Schalauske. Er ist weiterhin Referent für kritische Wissenschaft des ASTA der Universität Marburg.