Greenpeace-Protest beim G8-Umweltministertreffen am 16. 3. 2007 in Potsdam

 

Industriestaaten verraten Klimaschutz

G8: Klimaschutz jetzt !

»Die Gruppe der Acht« (G8) entscheidet als selbst ernannte Weltregierung über Zukunftsfragen für die gesamte Menschheit. Doch trotz der vollmundigen Versprechungen vorangegangener G8-Gipfel wurde den Ländern des Südens bislang nur ein geringer Teil ihrer Schulden erlassen. Trotz aller Hilfsver­sprechen für Afrika, werden die Ressourcen des Landes geplündert und die Ressourcenkonflikte weiter angeheizt. Trotz aller diplomatischer Sonntagsreden auf dem UN-Klimagipfel in Nairobi steigt der Ausstoß der Treib­hausgase und die Bedrohung durch die Folgen des Klimawandels nimmt rapide zu.

Die G8-Staaten haben die Kluft zwischen Arm und Reich bisher verstärkt. Als die größten Klimazerstörer stehen sie für eine Renaissance der Atomenergie. Zugleich schotten sich die reichen Länder immer stärker gegen Klimaflüchtlinge ab.

Steigende Treibhausgase der G8-Staaten

Die Klimazerstörung ist wesentlich auf eine steigende Kohlendioxid-Konzentration (CO2) in der Atmosphäre zurückzuführen. Verursacht wird dies seit Beginn der Industrialisierung durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. Aus Fabrikschloten und Auspuffrohren ausgestoßen, reichert sich das Klimagift CO2 in der Atmosphäre an. 85 Prozent der Emissionen stammen aus den Industrieländern ohne Zweifel die Verantwortlichen. Die Reichen der Erde bauen ihre Fehlentwicklung darauf auf, die Ressourcen der Erde zu plündern. Andere folgen nun diesem Beispiel. Seit 1990 ist der Ausstoß energiebedingter Treibhausgase der G8-Staaten um noch einmal 6,3 Prozent auf 11,7 Milliarden Tonnen CO2 gestiegen, trotz allen Versprechen gegen den drohenden Klimawandel vorzugehen und die Treib­hausgase zu reduzieren. Die G8-Staaten sind heute für 43 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich, die Industriestaaten wollen sich jedoch aus ihrer Verantwortung stehlen.

Die Klimazerstörung ist ein Zeichen globaler Ungerechtigkeit. Um die schwersten Auswirkungen des Klimawandels abzuwenden, müsste die globale Erwärmung unter zwei Grad gehalten werden. Das heißt: Wir müssen innerhalb von zehn bis 15 Jahren weltweit den steil ansteigenden Emissionstrend brechen und bis 2050 die Emissionen gegenüber dem Niveau von 1990 halbieren. Aber uns rennt die Zeit davon.

Die Wirtschaftspolitik der G8-Staaten ist an Rendite-Interessen global operierender Konzerne ausgerichtet. Politiker lassen sich allzu oft von Konzern-Lobbyisten vor den Karren spannen. Stromkonzerne missbrauchen den Klimawandel, um Laufzeitverlängerungen für Atomreaktoren durchzudrücken, statt entschieden in Energieeffizienz und Erneuerbare Energien zu investieren.

RWE baut ein neues besonders klima­schädliches Braunkohlekraftwerk. Deutsche Autokonzerne wie Mercedes, Volks­wagen und Porsche drücken immer absurdere Benzinschleudern auf den Markt. Bundeskanzlerin Angela Merkel wehrt sich »mit aller Härte« gegen neue Klimaschutzvorgaben für die Autoindustrie: Klimawandel Made in Germany.

Entwicklungsländer sind die Leidtragenden

In Entwicklungsländern weiten sich extreme Unwetter viel schneller zur Katastrophe aus: Arme sind viel stärker bedroht als Reiche. Es besteht eine akute Gefahr, dass drohende Klimaveränderungen jeden sozialen Fortschritt untergraben und die Weltgesellschaft vor existenzielle Herausforderungen stellen werden. Wir dürfen uns nicht erlauben,

mit zweierlei Maß zu messen: Wir müssen ein Klima der Gerechtigkeit schaffen. Die globale Kluft zwischen Arm und Reich ist nicht hinnehmbar.

Auf den Philippinen haben 2006 heftige Taifune über 1 400 Menschen getötet und Schäden von über vier Milliarden Dollar verursacht. Obwohl dies mehr Opfer waren als 2005 bei Hurrikan Katrina, geschah es fast unbemerkt von der Weltöffentlichkeit. 70 Prozent der Menschen in Afrika leben von der Landwirtschaft, sind darum stark von klimatischen Faktoren abhängig. Schon jetzt ist der natürliche Rhythmus von Trocken- und Regenzeiten gestört: Dürreperioden, Überflutungen und Hunger sind die Folge. Zunehmende Dürre zwingt immer mehr Menschen, ihre Heimat im Stich zu lassen. Allein 30 000 Afrikaner flüchteten 2006 auf die kanarischen Inseln. Klima­bedingte Dürren und sich ausbreitende Wüsten rauben ihnen die Existenz. Doch die Europäer weisen diese Flüchtlinge zurück. Derzeit gibt es weltweit 20 Millionen sogenannter Klimaflüchtlinge.

Greenpeace will eine Globalisierung von unten aus der globalen Bewegung von Menschen und Initiativen heraus. Denn eine bessere Welt ohne Klimazerstörung ist möglich. Die EU muss sich verpflichten, die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um mindestens 30 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Deutschland sollte sich als Vorreiter ein nationales Klimaschutzziel von minus 40 Prozent bis 2020 setzen ohne Vorbedingungen an andere Länder.

Karsten Smid, Greenpeace e. V.

 

Rotdorn-Radio-Interview mit dem Autor Karsten Smid:

Rotdorn-Radio vom 5. Februar 2007 >> "Klimaschutz und Klimawandel"

Zum Beginn unserer Sendung interviewten wir Phillip Minkes von der Koordinationsstelle gegen Bayer- gefahren. Phillip analysierte sowohl das aktuelle Geschäftsgebaren des Konzerns als auch dessen Fehlverhalten in ökologischer und gesellschaftlicher Hinsicht. Unser zweiter Gesprächspartner, Karsten Smid, Klimaexperte von Greenpeace, gibt eine Darstellung in die offizielle Diskussion zum Klimaschutz, um dann realisierbare Alternativen zu präsentieren, die auch unter den Bedingungen des globalisierten Kapitalismus funktionieren könnten. Diese Alternativen sind jedoch nur realisierbar, wenn der Wille dazu bei den Regierungen dieser Welt vorhanden ist, um die Konzerne unter Druck zu setzen. Doch ob dies seitens der Machthabenen, sei es der wirtschaftlichen oder der politischen Ebene, gewünscht wird, wird zur Disskussion gestellt.